
Quelle: Sächsische Zeitung |
Das Handy blinkt
und auf dem Display erscheint ein Briefumschlag – „Juhu
eine SMS“. Die beste Freundin will wissen, ob sie heut
lieber den blauen oder den roten Pullover anziehen soll. Für
solche Sinn-losigkeiten haben Jugendliche meist Geld –
oder eben auch nicht. Kathrin Scholz, Geschäftsstellenleiterin
der Schuldner-beratung in Zittau, kennt das Problem hoher
Handyrechnungen, die nicht bezahlt werden können.
Schulden fallen höher aus
Der Anteil der hilfebedürftigen Jugend-lichen
betrage 25 Prozent ihrer Kunden. |
„Und in den letzten Jahren haben immer mehr Hilfe in
der Beratungsstelle gesucht“, so Scholz. Nicht selten
seien dabei Schulden zwischen 600 und 1 000 Euro zu begleichen.
Überregional scheint das Problem hoher Handyrechnungen
jedoch weitaus größer. „Denn in den letzten
drei Jahren hat sich die Zahl sogar verdreifacht“, sagt
Sigrid Wiesner, Sozialpädagogin und Jugendberaterin
im Jugendhaus Leipzig e.V. „Schulden fallen
meist schon zwischen 1.400 bis 1.800 Euro an“, bekräftigt
sie. Zudem habe die Sozialpädagogin beobachtet, dass
die Schuldensummen immer weiter in die Höhe schnellen.
Denn hinzu komme, dass die Jugendlichen meist mehrere Handyverträge
abgeschlossen haben und der Ausweg aus der Schuldenspirale
immer schwieriger werde.
Bedenklich sei vor allem die Schwelle zum Erwachsensein, denn
dann können die jungen Leute selbst Verträge abschließen
und die Eltern verlieren die Kontrolle. „Meist absolvieren
diese Jugendlichen ein berufsvorbereitendes Jahr, weil sie
keine Lehrstelle gefunden haben“, sagt Kathrin Scholz,
„und so auch über kein Einkommen verfügen.“
Jugendberaterin Sigrid Wiesner bekräftigt, dass ein großer
Teil junger Arbeitsloser und Arbeitslosengeld- II-Empfänger
ihre Hilfe suche. „Den jungen Leuten fehlt oft einfach
der Weitblick, die Konsequenzen erkennen zu können“,
so Scholz. Abiturienten und Studenten seien eher die Ausnahme.
Den Argumenten der beiden Frauen steht jedoch eine Studie
des Institutes für Jugendforschung gegenüber, laut
der das Handy längst nicht der Hauptfaktor für Jugendverschuldung
sei. An erster Stelle stehen da vielmehr Fast Food, Kleidung
und Ausgehen. Und weniger als ein Prozent aller Jugendlichen
würden sich nach ihrer eigenen Einschätzung nicht
durch das Handy verschulden. Weiterhin würde nur ein
Fünftel einen festen Vertrag besitzen, dafür die
restlichen vier Fünftel eine Prepaid-Karte. Der Studie
zufolge würden die Handykosten mit zunehmendem Alter
sogar sinken.
Trotzdem sind die scheinbar zum Nulltarif angebotenen Verträge
vieler Mobilfunkanbieter verlockend. Bei Vodafone können
Verträge jedoch von Jugendlichen unter 18 Jahren nicht
ohne die Zustimmung der Eltern abgeschlossen werden. „So
ist beispielsweise gewährleistet, dass die Ausgaben nur
mit Einverständnis der Eltern getätigt werden“,
betont Pressesprecherin Peggy Hoy. Dafür garantieren
spezielle Angebote den Eltern die volle Kostenkontrolle. Mit
der zu bestehenden Vodafone-Langzeitverträgen ausgegebenen
Junior-Karte legen die Eltern ein monatliches Handy- Taschengeld
fest. Am Anfang des Monats werden so wahlweise 10, 25 oder
50 Euro auf das CallYa-Junior- Konto des Kindes aufgeladen.
Sichere Angebote ungenutzt
„Damit die Sicherheit des Kindes gewährleistet
ist, können die Eltern, selbst wenn das monatliche Guthaben
aufgebraucht ist, angerufen werden“, erklärt die
Pressesprecherin. Doch laut der Jugendstudie würden solche
wichtigen Maßnahmen der Eltern wie das Sperren teurer
Rufnummern, das Abschließen eines Vertrages mit monatlichen
Maximalbeträgen und die Wahl von Verträgen ohne
monatliche Grundgebühr zur Begrenzung der Handykosten
nur in geringem Umfang genutzt. Obwohl sie weitestgehend bekannt
sind.
Aber geht es eigentlich auch noch ganz ohne Handy? Offensichtlich
schon. Die 17-jährige Martina Kretschmer aus Niesky hat
eben dieses Kommunikationsmittel in ihrem bisherigem Leben
einfach noch nicht vermisst. „Ich sehe auch noch keinen
Grund, mir eins anzuschaffen“, sagt sie überzeugt.
Zugegeben, das ist wohl eher die Ausnahme. Es muss ja auch
nicht immer gleich ein Vertragshandy sein, eine Prepaid-Karte
macht’s letztendlich auch. |