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Ab zum "suedpol rocken"!!!

Ein großartiges Event in einer einzigartigen Kulisse

10. Juni 2009, UT Connewitz, Leipzig

Oh Mann, ich bin schon wieder viel zu spät dran. Immer noch in Markkleeberg, dabei wollt‘ ich doch schon längst im UT sein. 20:09 Uhr jetzt aber ab in die Bahn Richtung Connewitz, sonst verpass‘ ich Clemens Meyer noch. 20:20 Uhr endlich da. Jetzt kann gefeiert werden! Schließlich gibt’s laut Veranstalter auch’nen guten Grund dafür. Das Streetwork-Projekt "suedpol" ist nämlich stolze 15 Jahre alt geworden. Und ich lass‘ mich einfach mal überraschen, was der Abend so bringt. Allein die Atmosphäre im UT-Connewitz ist schon mehr als nur beeindruckend. Sehr schön "undergroundmäßig" und "punkig". Das ist das Erste, was mir an diesem Abend in’s Gehirn schießt als ich das ehemalige Kino von innen sehe.

Und dann geht’s auch schon direkt los. Marcelemcy stürmt lässig auf die Bühne animiert ein wenig die Menge und kündigt die Leipziger Autoren Legende Clemens Meyer an. Puh, Glück für mich. Ich hab‘ also noch nix vom Programm verpasst.

Ein kleiner Tisch mit roter Decke und einer Schreibtischlampe steht auch schon bereit. Dann kommt er endlich, Clemens Meyer mit seinem dunklen Jacket, seiner Brille & einem blauen Bücherbeutel. Die Bühne gehört ihm, ihm allein. In diesem Moment passt einfach alles: die düstere Theater-Atmospäre, das kleine karg beleuchtete Tischlein und die typische Autorengestalt Clemens Meyer. Er begrüßt kurz das Publikum, sagt ein paar Worte und beginnt zu lesen. Zwei "Leseproben" gibt er an diesem Abend zum Besten, eine aus seinem älteren Roman "Als wie träumten" sowie eine seiner neuen Erzählungen. Ich sitze auf der ersten Bank und höre gespannt den Geschichten von Tattoo-Toni, Marilyn Monroe und der Flinte zu. Viele Passagen bringen mich zum Schmunzeln, machen mich aber auch nachdenklich, entführen mich kurz in eine andere Welt. Hauptsächlich dreht es sich um Knast, Drogen, Alleinsein, Waffen, Frauen, Liebe, Sex und Tattoowieren. Er liest wirklich sehr betont, füllt den ganzen Saal mit seiner Stimme und dann ist er auch schon fertig, bedankt sich und geht würdig von der Bühne.


Schade, wie doch die Zeit vergeht, denke ich und schwupps nimmt mir Marcelemcy die Bank weg, auf der ich grade eben noch saß und aufmerksam Clemens Meyer lauschte. Sekunden später steht Marcelemcy auch schon wieder auf der Bühne und kündigt die erste "Band" des Abends an. Im Intro hört man sogar die musikalisch eingebettete Stimme von Clemens Meyer und dann legen die Styler Kings los. Ein vollkommen reibungsloser Übergang. Überzeugungsstark, mit kompromisslosen Texten und eingängigen Beats gehen die 2 Stylerkings, "Patrick 23" und "Bauer" souverän an den Start. Sie rappen sich, vielleicht auch inspiriert durch Clemens Meyer’s Buch "Als wir träumten" durch’s Reudnitz der 90er Jahre und lassen gekonnt den Flair der alten Szene aufleben. Aufgrund der nachhallenden Akustik im UT versteht man leider nicht immer jede der straighten Textzeilen. Aber das macht nix. Denn auch wenn ich persönlich nicht so auf Rap stehe, schaffen es die beiden mich durch ihre Bühnenpräsens in ihren Bann zu ziehen. Vor allem beeindruckt mich die Professionalität mit der die zwei Jungs ans Werk gehen, obwohl sie diesmal ohne ihren DJ Shema auskommen müssen. Alles in allem ist die Performance einfach "Ehrlich und Direkt", so wie ihr neues Album. Aus meiner Sicht ein wirklich sehr guter musikalischer Auftakt.

Reinhören lohnt sich also! www.myspace.com/stylerkings


Kurze Umbaupause und dann nehmen Alwin die Bühne für sich in Beschlag. Im wahrsten Sinne des Wortes. Man weiß gar nicht wo man zuerst hinschauen soll, bei so vielen verschiedenen Akteuren. Derweil spür‘ ich schon den Bass unter meinen Füßen vibrieren. Die 5-köpfige Rock-Combo lässt es aber erstmal langsam angehen und präsentiert solide ihren strikt handgemachten Rocksound. Sehr bodenständig, ohne Geschrammel und natärlich mit eigenen Texten.

Auffällig ist hier nicht nur die Frisur des Rhythmus-Gitarristen, sondern auch der Gesangliche Wechsel zwischen Frontmann und Drummerin. Ab und zu muss ich an Rio Reiser bzw. an Ton Steine Scherben denken, während ich so auf die Bühne blicke. Doch leider vermiss‘ ich etwas die Dynamik und Energiegeladenheit, denn im Moment scheint es so als spiele jeder der Fünf nur für sich. Trotz alledem merkt man, dass sie alle in ihren Element sind. Die Spiel-Leidenschaft ist sozusagen unübersehbar. Zudem kommt die Truppe im Laufe des Sets noch so richtig in Fahrt, wird lockerer und man spürt förmlich die Freude am Abrocken. Schade, dass die Soundeinstellungen nicht immer so perfekt sind. Aber egal, denn als sich Marcelemcy in dem letzten Song noch dazu mischt, ist die Bühne am kochen, der Groove hat sich auf’s Publikum übertragen und wieder ist ein perfekter Übergang zum nächsten Act geschaffen.

Ich schaff‘ es kaum auf Toilette zu gehen, denn es dauert nur wenige Sekunden und dann steht der "Animator, Moderator & Mitorganisator des Abends", Marcelemcy schon wieder auf der Bühne. Doch diesmal mit seinem eigenen Programm plus Dee Jay Mr.T-Rox. Man muss wirklich kein Genie sein, um zu merken, dass er für seine Musik lebt, sie liebt und für sie sterben würde. Deshalb zieht er auch konsequent sein Ding durch, rappt & reimt, was das Zeug hält, holt sich seine Lößniger Jungs vor die Bühne und verbreitet Stimmung wie kein anderer an diesem Abend. Textsicher, wortgewandt, sympathisch, jugendlich. Ich bin geflasht wie abwechslungsreich er seine Bühnen-Show inszeniert. Am Anfang mit Alwin im "Rock-Rap-Style", gegen Ende sogar ganz seicht mit Akustik-Gitarre und Geige. Marcelemcy zeigt was er kann, wirkt dabei selbstbewusst und legt einen bemerkenswerten Auftritt hin. Auch Gastauftritte lässt er nicht aus und bittet mitten im Set zwei seiner Lößniger Rap-Kollegen von L.E.-Records auf die Bühne, die extra dem Anlass entsprechend einen "suedpol-Geburtstags-Rap" performen. Dem Publikum gefällt’s, mir auch - mehr kann man nicht verlangen. Ich kann nur jeden aus der Szene raten, diesen talentierten Typ im Auge zu behalten. Wir werden sicher noch viel von ihm und seinen DJ zu hören bekommen.

www.marcelemcy.de

Nun, so langsam aber sicher meldet sich knurrend mein Magen. Ich tigere also zum suedpol-Merchandise-Stand, wo’s Gott sei Dank auch belegte Brötchen gibt und vertreib‘ mir mit einem kleinen Snack die Umbaupause. Nach nur 10 Minuten ist es dann soweit...die Band mit dem "weiblichen Schlagzeuger", wie Marcelemcy zuvor versehentlich gesagt hat, steht in den Startlöchern. One-Two-Three...here they are Möped!!! Punkrock vom aller aller feinsten. Ich glaube keiner anderen Band schmeichelt das "Ambiente" des UT-Connewitz so sehr wie dieser Band. Übrigens hatte ich die Truppe schon einmal live im Werk II erlebt, wusste also ungefähr was auf mich zukommt. Deshalb bin ich auch sehr überrascht, als Sänger TeenieTuss ungewohnt zurückhaltend den ersten Song beginnt. Doch er wirkt cool mit seiner Sonnenbrille, den engen Jeans und dem lässigen Hemd. Irgendwie "Greenday-like". Zwischendurch mach’ ich schon meine Scherze, das ihm heut‘ die Bühne zu hoch sei und er deswegen nicht sein übliches Programm durchzieht. Aber falsch gedacht.
Denn gleich im darauffolgenden Song fliegt die Sonnenbrille weg und TeenieTuss legt richtig los. Rumspringen, Mikroständer schwingen, Abrocken, dichtes Ansingen, Leute anschupsen, direkter Kontakt zum Publikum...er gibt einfach alles. Auch ich werde diesmal "gl6uuml;ckliches Opfer" seiner Attacken. Dann geht er auf einmal plötzlich Richtung Sitzreihe und setzt sich einfach frech auf einen der freien Kinositze und schreit sich dabei weiter die Seele aus dem Leib. Eine wirklich coole Aktion. Noch cooler sind aber die verdutzten Gesichter einiger Leute. Ja, eines kann ich euch sagen, diese Band vergisst man nicht so schnell, vor allem nicht ihren "leicht hyperaktiven" Sänger, der sich wirklich mehr als sehr in’s Zeug legt. Wenn sich überhaupt eine Band in Leipzig "Punk" nennen darf, dann MöPED! Man merkt sofort, die gesamte Band ist bis in die letzte Körperzelle energiegeladen. Alles in allem eine runde Sache: punkig, schnell, unterhaltsam. Auch wenn ich die ganze Zeit gar nix vom Text verstanden habe, bin ich trotzdem beeindruckt von den Jungs und ihrem Drummer-Mädel. Also wer MöPED noch nicht live gesehen hat, hat echt was verpasst.
Mehr gibt’s auf www.moeped.de.

Ich habe derweil völlig die Zeit vergessen, die vergeht jetzt sowieso wie im Flug. Auf der Bühne herrscht wieder einmal großes Gewussel. Ich bin echt gespannt, was mich erwartet. Zur Überbrückung darf aber vorerst DJ outtanational an die Turntabels. Dann erklingt plötzlich der erste richtige Gitarrenakkord und Lop Nor starten ihr Set. Sehr eingängig und ruhig gehen die Fünf an’s Werk. Es schwebt etwas von Lagerfeuer-Stimmung in der Luft. Für einen kurzen Moment fühle ich mich sogar wie auf einen echten M-TV-Unplugged. Die Atmosphäre im UT verstärkt dieses Gefühl natürlich ungemein. Wiedereinmal muss ich an Rio Reiser denken, als ich Jens Döring so am Klavier oder am Akkordeon spielen und singen höre. Die lyrischen Texte steuern ihr übriges dazu bei. Ja, eine bessere Live-Band, für die Nacht hätte man aus meiner Sicht nicht finden können. Als dann der "Haupt-Sänger", Markus Heuer, das letzte Lied ankündigt, muss ich leider gehen, damit ich meine Bahn nicht verpasse. Außerdem ist es ja schon fast dreiviertel Eins. Aber hätt‘ ich gewusst, dass meine Bahn sowieso Verspätung haben wird, wäre ich natürlich bis zum Schluss geblieben.
www.lopnor-leipzig.de/band


So verpasste ich den zweiten part von DJ outtanational, der den Abend ausklingen lassen sollte. Da muss ich wohl noch mal im suedpol Laden nachfragen gehen, wo er demnächst mal wieder auflegt. Was bleibt ist ein super abwechlungsreicher Abend in einer Hammer-Location. Sehr gut organisiert, mit äußerst fließenden Übergängen zwischen den einzelnen Acts. Rock, HipHop, Punk, Literatur, ganz verschiedene Genres haben an diesem Abend ineinandergegriffen und sich verbunden.
Respekt!
So muss ein würdiger Geburtstag sein!
Danke suedpol!
jk

P.S. und wer noch seine Meinung zur Party loswerden möchte, bitte hier:
suedpol@jugendhaus-leipzig.de